Vorlesen stiftet einen gesellschaftlichen Mehrwert!

KFA-LeseWelten-Wertbeitrag-BroschüreGute, problemlösende Wirkung für die Gesellschaft zu entfalten, ist der Anspruch jeder gemeinnützigen Organisation. Doch nur relativ Wenige legen ihrem Handeln tatsächlich ein aus Wirkungszielen abgeleitetes Konzept zugrunde. Und noch viel weniger stellen sich der Herausforderung, die Plausibilität des Konzeptes und das praktische Wirkungspotenzial einer Prüfung zu unterziehen. Die Kölner Freiwilligen Agentur (KFA) hat sich vor einigen Jahren auf diesen Weg begeben, auf dem ich sie immer wieder mal mit VIS a VIS beratend begleiten durfte.

Nun liegt für ein Eigenprojekt der KFA – die Vorleseinitiative LeseWelten – das Ergebnis für den geldwerten Nutzen vor, der für die Gesellschaft gestiftet wird: Jeder eingesetzt Euro bringt gemäß der fundierten Schätzung in etwa den zehnfachen Nutzen.

LeseWelten

Seit 2004 sorgt LeseWelten dafür, dass zahlreiche Kinder in Köln die wunderbare und wirksame Erfahrung machen, dass ihnen vorgelesen wird. Dies gelingt mit dem unentgeltlichen Engagement von aktuell 180 Vorleserinnen und Vorlesern. Dieses Engagement ist jedoch nicht umsonst zu haben. Die Gewinnung, Qualifizierung und Begleitung der Vorleserinnen und Vorleser sowie die Organisation längerfristig zuverlässiger Vorleseangebote in zahlreichen Bildungseinrichtungen in Köln erfordern einen Personaleinsatz, der nicht rein ehrenamtlich leistbar ist. Das hierfür zur Verfügung stehende Jahresbudget von aktuell rund 40.000 Euro speist sich aus Spenden und Fördermitteln.

Geldwerter Nutzen für die Gesellschaft

Dass dies eine lohnende Investition in Kinder aus eher bildungsfernen Familien und damit auch in die Gesellschaft ist, belegen Ergebnisse der Wertbeitragsanalyse für LeseWelten : Werden alle geldwerte Nutzen eingerechnet, die sich aus vorliegenden empirischen Studien ableiten lassen, dann kann jeder in LeseWelten investierte Euro einen gesellschaftlichen Ertrag von zehn oder vielleicht sogar mehr Euro schaffen. Und selbst bei einer absolut konservativen Minimalberechnung liegt der anzunehmende gesellschaftliche Ertrag immer noch um rund 60 Prozent über dem Aufwand.

Engagement für LeseWelten

Durchgeführt wurde die Analyse von fünf Studentinnen der Unversität zu Köln, und zwar im Rahmen des ServiceLearning-Programms der Uni. Aufseiten von LeseWelten wurde dieses Vorhaben von VIS a VIS fachlich begleitet und unterstützt.

Kritik

Aktuell wird dieser Ansatz, einen geldwerten Nutzen für die Gesellschaft zu ermitteln, u.a. aus dem gemeinnützigen Sektor kritisch hinterfragt: Ein solcher Ansatz suggeriere eine Genauigkeit, die nicht gegeben sei. Und man begebe sich damit als Organisation auf ein Spielfeld, in dem man langfristig nur verlieren könne. Man befeuere die Ökonomisierung der sozialen Arbeit, indem man versuche, alle Tätigkeiten und Teilaspekte monetär abzubilden.

Dem möchte ich entgegnen:

  • Es wurde nicht versucht, alle Tätigkeiten und Teilaspekte von LeseWelten monetär abzubilden. Im Gegenteil.
  • Wer den ökonomischen Weg geht, externe Finanziers (Öffetliche Hand, Stiftungen, Unternehmen, SpenderInnen ..) zu akquirieren, sollte sich auch der Übung unterziehen, der Frage nach dem für die Gesellschaft zu schaffenden geldwerten Nutzen nachzugehen.
  • Dabei versteht sich von selbst, dass sich nicht alle faktisch erreichbaren bzw. erreichten Wirkungen identifizieren, zuschreiben und dann auch noch quantifizieren lassen. Und so, wie sich nicht alles Notwendige für eine gessellschaftliche Entwicklung mit Geld bewirken lässt, so ist auch nicht alles Bewirkte in Geld darstellbar.
  • Der für LeseWelten ermittelte geldwerte Nutzen für die Gesellschaft kann und soll auch nicht dazu dienen, das weitere Wirken mit Krediten zu finanzieren und aus zukünftigen Erträgen für die Gesellschaft zu refinanzieren, wie es sich in der Landespolitik manche für die Finanzierung heutiger Bildungspolitik vorstellen.
  • Der ermittelte Wert des „Social return on investment“ (SROI) gibt LeseWelten aber die Möglichkeit, „an rein qualitative Beschreibungenen eine Zahl dranzuhängen“ und so eine Vergleichbarkeit herzustellen mit alternativen Maßnahmen, die auf das gleiche Bildungsziel ausgerichtet sind – wie es ein Kollege formulierte, der die Ergebnisse kritisch gegengelesen hat.

Also: Wer nur sein eigenes Geld einsetzt, braucht eine solche Analyse nicht. Wer anderer Leute Geld mit dem Versprechen einwirbt, hiermit Gutes für die Gesellschaft zu bewirken, muss sich um Belege kümmern. Dies hat die Kölner Freiwilligen Agentur  für das Projekt LeseWelten getan. Und dies habe ich gerne mit VIS a VIS unterstützt.

Die Analysedokumente

Den ausführlichen Bericht zur Wertbeitragsanalyse sowie eine zusammenfassende Broschüre können Sie jeweils von der Website der  Kölner Freiwilligen Angentur herunterladen.

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